Fachkollegien: Wahl zum "Parlament der Wissenschaft" beginnt

14.11.2011 | Bonn
Rund 100 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können bis 5. Dezember online ihre Stimme abgeben. 1383 Kandidierende für 606 Plätze. "Sinnbild der Selbstverwaltung"

Startschuss für die Wahl zum "Parlament der Wissenschaft": Ab diesem Montag, dem 7. November, 14 Uhr, sind rund 100 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland aufgerufen, die Mitglieder der Fachkollegien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Amtsperiode 2012 bis 2015 zu bestimmen. In den 48 zu wählenden Fachkollegien, die die gesamte Bandbreite der DFG-geförderten Forschung abdecken, sind insgesamt 606 Plätze zu besetzen. Für diese stellen sich 1383 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl. Gewählt werden kann vier Wochen lang bis zum Montag, dem 5. Dezember 2011, 14 Uhr. Die Wahl findet online statt und ist eine der weltweit größten Online-Wahlen.

"Die Fachkollegien sind geradezu das Sinnbild der Selbstverwaltung der deutschen Wissenschaft. In ihnen wirken demokratisch legitimierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ehrenamtlich an zentraler Stelle an den Entscheidungen über die Förderung von Forschungsprojekten mit", betonte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner zum Beginn der Wahlfrist und rief alle Wahlberechtigten dazu auf, ihr Stimmrecht zu nutzen.

Die Fachkollegien repräsentieren im Förderhandeln der DFG die wissenschaftlichen Disziplinen und sorgen für eine stellvertretende Fachöffentlichkeit. Sie bereiten die abschließende Entscheidung über einen Förderantrag durch ein fachnahes Votum vor: Im Einzelverfahren, in dem rund 60 Prozent der Förderanträge an die DFG gestellt werden, wird zunächst jeder Antrag von in der Regel zwei Wissenschaftlern begutachtet. Deren Gutachten werden in einem zweiten Schritt durch die Fachkollegien bewertet und damit qualitätsgesichert. Auch überprüfen die Fachkollegien die Auswahl der Gutachterinnen und Gutachter durch die Geschäftsstelle der DFG. Die Bewertung der Fachkollegien ist die Grundlage zur Entscheidung über die Bewilligung oder Ablehnung eines Förderantrags, der im Hauptausschuss der DFG fällt. In den Koordinierten Verfahren der DFG werden Förderanträge durch Gutachtergruppen begutachtet, denen immer mindestens ein Mitglied des jeweiligen Fachkollegiums angehört.

"So sorgen die Fachkollegien für gleiche Bewertungsmaßstäbe und für eine größere Transparenz in den Begutachtungs- und Entscheidungsverfahren", resümiert DFG-Präsident Kleiner. Zusätzlich beraten die Fachkollegien die DFG-Gremien in strategischen Fragen der Forschungsförderung, regen Innovationen im Fördersystem an und setzen sich besonders für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein.

Die nun begonnene Fachkollegien-Wahl ist die zweite nach der Einführung der Fachkollegien im Jahr 2003. Seitdem ersetzen die Fachkollegien die früher zuständigen, ebenfalls gewählten Fachausschüsse. Wahlberechtigt sind bei der Fachkollegienwahl 2011 alle wissenschaftlich forschenden Professorinnen und Professoren in einer der 95 Mitgliedsinstitutionen der DFG oder einer weiteren, vom Senat der DFG als Wahlstelle anerkannten wissenschaftlichen Einrichtung, ebenso alle dort wissenschaftlich forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Promotion abgeschlossen haben, sowie nicht an Wahlstellen tätige Einzelwählerinnen und Einzelwähler, denen das aktive Wahlrecht auf Antrag verliehen wurde.

Die damit rund 100 000 Stimmberechtigten können unter 1383 Kandidatinnen und Kandidaten auswählen, über die der Senat der DFG am 5. Juli 2011 entschieden hat. Vorausgegangen waren insgesamt 1841 Kandidierendenvorschläge, die von den 95 Mitgliedsinstitutionen der DFG, von 267 Fachgesellschaften und Fakultätentagen sowie den rund 300 Leibniz-Preisträgerinnen und -preisträgern eingereicht worden waren. Die Aufstellung der Kandidierendenliste erfolgte aufgrund der wissenschaftlichen und persönlichen Qualifikation der Vorgeschlagenen und mit Blick auf die Ausgewogenheit der Liste unter fachlichen Aspekten, der Berücksichtigung der außeruniversitären Forschung sowie der angemessenen Repräsentanz der verschiedenen wissenschaftlichen Karrierestufen und von Wissenschaftlerinnen. "Mir ist besonders wichtig, dass Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler frühzeitig in das System der wissenschaftlichen Selbstverwaltung eingebunden werden. Hierfür ist die Wahl in ein Fachkollegium genau der richtige Weg", sagte DFG-Präsident Kleiner. Gleiches gelte für die adäquate Beteiligung von Wissenschaftlerinnen: "Die Kandidierendenliste umfasst bei dieser Wahl 287 Frauen, also über 20 Prozent. Das sind gut drei Prozent mehr als bei der letzten Wahl 2007 - eine erfreuliche, wenn auch noch nicht völlig zufriedenstellende Entwicklung", so Kleiner.

Die DFG-Fachkollegienwahl 2011 ist wie schon im Jahr 2007 eine reine Online-Wahl, die über einen normalen Internetzugang und ohne Installieren einer Spezialsoftware erfolgen kann. Dabei haben die Stimmberechtigten ihre Zugangsdaten zum Wahlsystem von ihren Wahlstellen vor Ort erhalten. Die Vertraulichkeit der Wahl und die Sicherheit des Wahlsystems ist der DFG überaus wichtig - deshalb beaufsichtigen ein Beauftragter des DFG-Senats sowie der Datenschutzbeauftragte der DFG den gesamten Wahlprozess.

Quelle: Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V.

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